Die Frage nach den Kosten ist die häufigste, die Innenarchitekten im Erstgespräch gestellt wird — und die Antwort fällt in der DACH-Region je nach Land, Projekttyp und Honorarmodell sehr unterschiedlich aus. Öffentliche Preisrechner führen meist in die Irre, weil sie weder die HOAI-Struktur sauber abbilden noch die Besonderheiten von Österreich und der Schweiz berücksichtigen. Dieser Leitfaden fasst 2026er Marktpreise für Privatwohnung, Einfamilienhaus, Büro, Hotel und Restaurant zusammen — mit Referenzen auf echte Projekte und konkreten Rechenbeispielen. Er richtet sich an Privatkunden und Unternehmen, die ein Projekt sauber kalkulieren wollen, bevor sie Angebote einholen.
Die drei Honorarmodelle in der DACH-Region
Bevor Sie einzelne Preise vergleichen, müssen Sie das Honorarmodell verstehen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind drei Grundformen etabliert. Welche sinnvoll ist, hängt vom Projektumfang und Ihrer Risikobereitschaft ab.
Pauschalhonorar (Festpreis)
Das Studio nennt einen festen Betrag für einen klar umrissenen Leistungsumfang. Pauschalen sind für Privatkunden am transparentesten, weil die Kosten von Anfang an feststehen. Typische Pauschalen 2026: 8.000 bis 18.000 Euro für eine Wohnung bis 100 Quadratmeter mit Vollservice, 18.000 bis 40.000 Euro für ein Einfamilienhaus bis 250 Quadratmeter, 25.000 bis 80.000 Euro für ein Büro bis 500 Quadratmeter. Vorsicht: Pauschalen funktionieren nur, wenn der Leistungskatalog vertraglich exakt beschrieben ist. Nicht enthaltene Zusatzleistungen werden sonst teuer.
Stundenhonorar
Stundensätze liegen 2026 in Deutschland und Österreich zwischen 95 und 180 Euro netto, in der Schweiz zwischen 140 und 260 CHF. Projektleiter und Senior-Innenarchitekten rechnen höher ab, Junior-Mitarbeiter niedriger. Stundenhonorare eignen sich für Beratungsleistungen, einzelne Räume, Möblierungsprojekte oder wenn der Umfang noch nicht feststeht. Sie sollten immer mit einer Obergrenze (Cap) vereinbart werden — sonst skaliert das Risiko linear mit der Projektdauer.
Prozentuales Honorar nach HOAI (Deutschland) oder SIA (Schweiz)
Die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) ist seit der Novelle 2021 kein bindender Rahmen mehr, sondern eine Kalkulationsgrundlage. Das Honorar wird prozentual aus den anrechenbaren Kosten der Bauleistungen berechnet. Bei einem anrechenbaren Kostenvolumen von 500.000 Euro in Honorarzone III (mittlere Anforderungen) liegt das Innenarchitekturhonorar 2026 typischerweise bei 12 bis 18 Prozent der anrechenbaren Kosten — also 60.000 bis 90.000 Euro für alle neun Leistungsphasen. In der Schweiz bildet die SIA-Ordnung 102/103 das Äquivalent; sie wird von praktisch allen seriösen Studios als Referenz genutzt.
HOAI-Rechenbeispiel: Ein 500.000-Euro-Projekt im Detail
Damit die HOAI-Logik greifbar wird, hier ein vereinfachtes Rechenbeispiel für eine Bürofläche von 400 Quadratmetern in Berlin mit 500.000 Euro anrechenbaren Kosten, Honorarzone III, Mindestsatz:
- Anrechenbare Kosten: 500.000 € (nur Bauleistungen Innenausbau, ohne Möbel)
- Honorarzone III, mittlerer Satz: ca. 14,5 % → Gesamthonorar für LP 1–9: ca. 72.500 €
- Umgerechnet auf Quadratmeter: ca. 181 €/m² Planungshonorar
- Zzgl. Nebenkosten (Fahrt, Druck, Modelle): typischerweise 3 bis 7 %
- Sonderleistungen (3D-VR, Möblierungsplanung, Lichtdesign): separat nach Aufwand
Wichtig: Die anrechenbaren Kosten sind nicht identisch mit Ihrem Gesamtbudget. Sie umfassen nur die eigentlichen Bauleistungen am Innenausbau. Mobiliar, Kunst, bauliche Sonderwünsche oder Technik-Upgrades erhöhen Ihr Projektbudget, fließen aber nicht zwingend in die Honorarberechnung ein.

Preistabelle: Was kostet Innenarchitektur nach Projekttyp?
Die folgenden Bandbreiten basieren auf aktuellen DACH-Marktpreisen 2026 für seriöse Studios mit Vollservice (LP 1–9). Alle Angaben sind Planungshonorare netto, ohne Bauleistungen, Möbel und Materialien.
Wohnung, 80–150 m²
- Deutschland: 8.000 – 28.000 € (ca. 100 – 190 €/m²)
- Österreich: 7.500 – 26.000 € (ca. 95 – 175 €/m²)
- Schweiz: 14.000 – 42.000 CHF (ca. 175 – 280 CHF/m²)
Einfamilienhaus, 200 m²+
- Deutschland: 25.000 – 70.000 € (ca. 125 – 350 €/m²)
- Österreich: 22.000 – 65.000 €
- Schweiz: 40.000 – 110.000 CHF
Büro, 300 m²+
- Deutschland: 35.000 – 120.000 € (ca. 115 – 400 €/m²)
- Österreich: 32.000 – 110.000 €
- Schweiz: 55.000 – 180.000 CHF
Hotel oder Boutique-Unterkunft
- Deutschland: 80.000 – 400.000 € je nach Zimmerzahl und Standard
- Österreich: vergleichbar, Tendenz leicht unter DE
- Schweiz: 140.000 – 650.000 CHF; in Alpenregionen oft am oberen Ende
Restaurant, Café, Bar (150–400 m²)
- Deutschland: 30.000 – 110.000 € (Konzept bis Übergabe)
- Österreich: 28.000 – 100.000 €
- Schweiz: 50.000 – 170.000 CHF
Diese Spannen sind bewusst breit gefasst, weil jeder Projekttyp drei Variablen stark beeinflussen: die Honorarzone (Komplexität), die regionale Preislage (München, Zürich und Wien liegen deutlich über Ostdeutschland oder Osteuropa) und das Leistungspaket (Teil- vs. Vollservice, inklusive oder ohne Bauleitung).
Altbau vs. Neubau: Der versteckte Kostenfaktor
In der DACH-Region wird besonders in Wien, Berlin, Hamburg, Graz und Zürich überdurchschnittlich viel im Altbaubestand gearbeitet. Das hat erhebliche Kostenauswirkungen, die in Standard-Rechnern nie auftauchen.
- Bestandsaufnahme: Ein sauberes Aufmaß inklusive 3D-Scan kostet 1.500 bis 4.500 € zusätzlich — lohnt sich aber, weil Fehlmessungen in der Bauphase deutlich teurer werden
- Statikgutachten: 2.000 bis 8.000 € je nach Eingriffstiefe
- Denkmalschutzabstimmung: in Österreich besonders aufwendig, 3.000 bis 12.000 € Zusatzaufwand
- Unvorhergesehene Eingriffe: seriöse Studios planen 10 bis 20 % Kostenreserve auf die Bauleistungen ein
Bei Neubauten sind dagegen Erstbezug-Projekte besonders effizient: Der Rohbau-Grundriss lässt sich noch anpassen, die Haustechnik ist dokumentiert, Referenzmaße sind exakt. Das Planungshonorar liegt hier oft 20 bis 30 % unter einem vergleichbaren Altbauprojekt.

Privat vs. Gewerblich: Warum die Preisbänder auseinanderlaufen
Gewerbliche Projekte sind bei gleicher Quadratmeterzahl oft teurer als private — und das hat handfeste Gründe:
- Normen: Arbeitsstättenverordnung (DE), ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (AT), SECO-Richtlinien (CH) erzwingen technische Mindeststandards bei Licht, Akustik, Ergonomie
- Brandschutz: Gewerbliche Fluchtwege, F30/F90-Anforderungen, Sprinkler — alles erhöht die Planungstiefe
- Haftungsrisiko: Studios verlangen bei gewerblichen Projekten höhere Honorare, weil die Versicherungsdeckung höher sein muss
- Projektmanagement: Gewerbliche Projekte haben mehr Stakeholder — Geschäftsführung, Facility Management, IT, HR — was Koordinationsaufwand generiert
Gleichzeitig haben gewerbliche Kunden meist einen klareren ROI-Bezug. Eine gute Büroplanung erhöht nachweislich die Produktivität um 10 bis 20 Prozent und verbessert die Recruiting-Quote messbar; eine durchdachte Restaurantgestaltung steigert den Durchschnittsbon. Das rechtfertigt höhere Planungsinvestitionen.
Was ist im Honorar enthalten — und was nicht?
Ein häufiges Missverständnis: Das Planungshonorar deckt nicht die Bauleistungen, Möbel oder Materialien ab. Hier die typische Trennung 2026:
Im Planungshonorar enthalten (Vollservice)
- Alle neun HOAI-Leistungsphasen bzw. SIA-Teilleistungen
- Grundrissoptimierung, Materialkonzept, Farbkonzept
- Eine Runde 3D-Visualisierung pro Schlüsselraum
- Ausschreibung und Vergabe an Gewerke
- Bauüberwachung inklusive wöchentlicher Baustellenbesuche
- Abnahme und Mängelverfolgung
Separat zu kalkulieren
- Bauleistungen: der größte Kostenblock — bei privaten Altbau-Kernsanierungen 1.400 bis 3.500 €/m² je nach Standard
- Mobiliar und Leuchten: 20 bis 40 % zusätzliches Budget bei hochwertigen Projekten
- Kunst und Kuration: bei Premium-Projekten 5 bis 15 % des Bauvolumens
- VR-Begehung, zusätzliche Renderings: typischerweise 1.500 bis 6.000 € pro Paket
- Lichtdesign: bei komplexen Projekten als Sonderleistung 3 bis 6 % der anrechenbaren Kosten

So lesen Sie ein Angebot: Die Prüfliste
Ein seriöses Angebot erkennen Sie an der Struktur. Prüfen Sie vor der Unterschrift jeden dieser Punkte:
- Honorarzone genannt (I–V bei HOAI, entsprechende Kategorie bei SIA)
- Leistungsphasen aufgelistet — welche sind enthalten, welche separat?
- Anrechenbare Kosten als Berechnungsgrundlage nachvollziehbar
- Nebenkosten-Pauschale mit Obergrenze
- Sonderleistungen einzeln bepreist, nicht „nach Aufwand“
- Zahlungsplan an Meilensteine gekoppelt, nicht an Monatsraten
- Kostenschätzung der Bauleistungen als separate Anlage
- Kostenkontrolle und Nachtragsregelung schriftlich geregelt
- Versicherungsnachweis mit angemessener Deckung
- Nutzungsrechte der Pläne nach Projektabschluss geklärt
Red Flags: Diese Preismuster sollten Sie ablehnen
Nicht jedes günstige Angebot ist ein Schnäppchen. Aus der Praxis lassen sich klare Warnsignale identifizieren, bei denen Sie die Zusammenarbeit überdenken sollten:
- Pauschalpreise unter 80 €/m² für Vollservice bei Privatwohnungen — realistisch nicht leistbar
- „Bauleitung ist kostenlos“ — wird als Quersubvention durch überhöhte Materialaufschläge finanziert
- Keine Trennung von Planungshonorar und Baukosten
- „Alles inklusive“ ohne Leistungsliste — Nachträge sind vorprogrammiert
- Zahlungsplan mit hoher Anzahlung (über 30 %) vor Leistungserbringung
- Keine Angabe der Honorarzone oder SIA-Kategorie
- Materialaufschläge über 15 % — branchenüblich sind 5 bis 10 %
- „Stundensatz nach Aufwand“ ohne Cap und ohne monatliche Abrechnung

Preisunterschiede zwischen den DACH-Ländern
Obwohl die drei Länder kulturell eng verwandt sind, unterscheiden sich die Honorarstrukturen 2026 deutlich. Wer als Kunde grenzüberschreitend plant — etwa ein österreichisches Unternehmen mit Büro in München oder ein Schweizer Privathaus mit deutschen Möbellieferanten — sollte diese Unterschiede kennen.
Deutschland
HOAI als Kalkulationsgrundlage, fünf Honorarzonen (I einfach bis V sehr schwierig), neun Leistungsphasen. Regional starke Unterschiede: München und Hamburg liegen 20 bis 30 % über Leipzig oder Dresden. Der Mittelwert für Privatwohnungen im Vollservice 2026: ca. 140 €/m² Planungshonorar in Honorarzone III.
Österreich
Seit der Aufhebung der GOA (Gebührenordnung für Architekten) 2006 gibt es keine gesetzliche Honorarordnung mehr. Die Bundeskammer der Ziviltechniker veröffentlicht Honorarleitlinien, die als Orientierung dienen. Die Architekturstiftung Österreich publiziert Marktanalysen. Das Preisniveau liegt 2026 bei etwa 95 % des deutschen — mit regionalen Spitzen in Wien und Salzburg.
Schweiz
Die SIA-Ordnung 102 (Architekten) und 103 (Ingenieure) sind de-facto-Standard; spezifische Innenarchitektur-Honorare folgen der SIA 102 analog. Absolutes Preisniveau 25 bis 45 % über Deutschland, hauptsächlich wegen Lohnkosten und Mehrwertsteuer. In Genf, Zürich und Basel weitere Aufschläge von 10 bis 15 %.
Wie Sie Angebote vergleichbar machen
Wenn Sie drei Angebote einholen — was wir jedem Kunden empfehlen — werden die Zahlen auf den ersten Blick nicht vergleichbar sein. Ein Studio bietet 14 % nach HOAI, ein zweites eine Pauschale über 42.000 Euro, ein drittes arbeitet auf Stundenbasis mit geschätzten 280 Arbeitsstunden. Um fair zu vergleichen, rechnen Sie alle Angebote auf eine gemeinsame Kennzahl um: Euro pro Quadratmeter Planungshonorar bei Vollservice (LP 1–9). Diese Kennzahl macht Angebote vergleichbar — unabhängig vom Honorarmodell.
Eine zweite Kennzahl: Planungshonorar als Prozentsatz der geschätzten Bauleistungen. Bei Vollservice-Projekten in Honorarzone III liegt dieser Prozentsatz 2026 typischerweise zwischen 12 und 18 Prozent. Alles darunter ist entweder ein Tiefpreisangebot oder eine unvollständige Leistung. Alles darüber signalisiert entweder Premium-Komplexität oder überteuerte Kalkulation.
Warum internationale Studios gleiche Qualität zu niedrigeren Preisen liefern
Der Markt in der DACH-Region hat sich in den letzten drei Jahren verändert. Studios aus Kosovo, Albanien, Serbien und Nordmazedonien bedienen zunehmend DACH-Kunden mit internationalen Teams, die in deutschen Universitäten ausgebildet wurden, in DACH-Projekten Erfahrung gesammelt haben und heute aus Prishtina, Tirana oder Belgrad arbeiten. Der Preisunterschied entsteht nicht durch schlechtere Qualität, sondern durch strukturell niedrigere Lohnkosten.
Konkret: Ein Senior-Innenarchitekt kostet in München 2026 im Schnitt 140 Euro Stundensatz, in Zürich 220 CHF, in Prishtina 55 bis 70 Euro. Bei einem Projekt mit 300 Arbeitsstunden Planungsaufwand sind das 22.500 bis 42.500 Euro Differenz — bei identischer Ausbildung, identischer Software (Revit, AutoCAD, V-Ray, Lumion) und identischen Standards.
Was Sie prüfen sollten, bevor Sie ein internationales Studio beauftragen: DACH-Referenzprojekte mit Kontakten ehemaliger Kunden, deutschsprachiges Kernteam, vertraglicher Gerichtsstand in Deutschland oder Österreich, Berufshaftpflicht mit EU-Geltungsbereich, regelmäßige Vor-Ort-Termine während der Bauphase (mindestens alle zwei bis drei Wochen), und belastbare Erfahrung mit DIN-, ÖNORM- oder SIA-Standards.
Fazit: Was Sie 2026 einplanen sollten
Als Orientierung für 2026: Für eine private Wohnungsplanung mit Vollservice in Deutschland budgetieren Sie 10 bis 20 Prozent der Gesamtinvestition als Planungshonorar. Für ein gewerbliches Projekt eher 12 bis 18 Prozent. Die Bauleistungen sind davon klar zu trennen. Wer drei Angebote einholt, auf die Vollständigkeit der Leistungsphasen prüft und auf Euro pro Quadratmeter Vollservice normalisiert, kann Angebote fair vergleichen — und vermeidet die Red-Flag-Muster, die 2026 leider noch immer weit verbreitet sind.
Doyenne ist ein multidisziplinäres Studio aus Prishtina, das Innenarchitektur, Architektur, 3D-Visualisierung und Bauleitung unter einem Dach vereint — mit über 230 abgeschlossenen Projekten, mehrsprachigem Team und DACH-Erfahrung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unsere Honorarstruktur arbeitet mit transparenten Pauschalen oder HOAI-konformen Prozentsätzen und liegt 40 bis 60 Prozent unter lokalen DACH-Anbietern bei vergleichbarer Ausführungsqualität. Für eine ehrliche Preiseinschätzung Ihres Projekts vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.
Vergleichbare Projekte finden Sie in unserem Portfolio. Unser Leistungsspektrum erläutert den genauen Umfang der einzelnen HOAI-Phasen, die wir abbilden.